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Kommentar: Mit Diablo 3 zum Casual-Gamer wider Willen

Diablo 3 ist ein Casual-Spiel und wir „fast“ alle Casual-Zocker!

Diese steile Behauptung an den Anfang gesetzt, weiß jeder, der im Deutschunterricht gut aufgepasst hat: jetzt folgt keine Nachricht und auch kein kein fundierter objektiver Artikel, sondern ein Kommentar – etwas, was ich schon lange mal wieder machen wollte: einfach mal meine subjektive Meinung auftischen: guten Appetit!

Dass Casual Gamer oftmals als Schimpfwort gedacht und oft auch so verstanden wird, kommt nicht von ungefähr, immerhin wissen sicherlich 70% derjenigen, die ihn gebrauchen ebenso wenig was genau sie jetzt damit meinen, so wie 70% der so betitelten nicht wissen, was sie darunter verstehen sollen; und bei den jeweils restlichen 30% beider Seiten herrschen dann auch noch diverse Meinungen über die Definition dieses schwammigen Begriffs vor.

Meine Definition von Casual-Gamer ist die eines Gelegenheitsspielers (Ja, deutsche Sprache kann so schön präzise sein). Warum ansatzweise anspruchsvollen Spielern aktuell eigentlich gar nichts anderes übrig bleibt, als Diablo 3 nur „gelegentlich“ zu spielen, weshalb Diablo 3 alleine deswegen ein reines Casual-Game ist, das erfahrt ihr etwas später – falls ihr euch bis dahin noch nicht angewidert abgewendet habt.

So, die durchschnittliche Konzentrationsspanne eines heutigen Zwölfjährigen beträgt irgendwas zwischen 5 und 10 Sekunden, also haben wir jetzt „später“ (Sollte euch das komisch vorkommen, seid ihr wahrscheinlich so um die 25 bis 50 Jahre alt und wisst noch, das Telefone früher eine Wählscheibe hatten und Selbstbewusstsein nicht von möglichst vielen Likes für ein Duck-Face-Selfie abhängt). Diablo 3 kann man nur gelegentlich spielen, weil es eigentlich nur noch zu den alle 3-4 Monate stattfindenden Seasons wieder etwas zu tun gibt, was man als annähernd motivierend bezeichnen kann. Dann zockt man zwei Tage, bekommt mehr benötigte Items beinahe per Knopfdruck von Kadala, anstatt als Monsterbeute, ist dann „outgeared“ und kann bestenfalls noch hoffen, den gleichen Krempel erneut in der Uralt-Version zu ergattern. Selbst wer wirklich wenig daddelt, hält die Motivationskurve so bestenfalls einen Monat hoch.

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Und jetzt die gute Nachricht: Weil die Konzentrationsspanne bei den „Non-Digital-Natives“ zwar wesentlich länger ist, so nagt jedoch bereits der Zahn der Zeit an ihrem Erinnerungsvermögen und sie vergessen einfach bis zur nächsten „Gelegenheit“, dem nächsten Season-Start, dass der Spaß von begrenzter Dauer ist und legen erst einmal wieder voller Enthusiasmus los.

Jetzt werden sicherlich einige Wenige sagen: „Laber keinen Müll, ich bin Diablo 3 Pro, weil ich jede Saison mindestens 12 Stunden pro Tag zocke!“. Und damit wären wir wieder bei der Verwendung von englischen Begriffen, deren Benutzung vielfach in Unkenntnis von deren Bedeutung stattfindet. „Pro“ steht für „Professional“ und wäre im Deutschen mit Profi zu übersetzen, was wiederum bedeutet, etwas in Vollzeit zu tun und seinen Lebensunterhalt davon bestreiten zu können. Nun gibt es in Diablo 3 zwar Wettstreit (Wer nutzt Bugs am effizientesten aus oder Bottet am besten, ohne erwischt zu werden), jedoch keine Preisgelder. Auch die Zahl der Leute, die zumindest indirekt anteilig ihren Lebensunterhalt durch Diablo 3 bestreiten, indem sie Streams veranstalten oder Videos auf Youtube veröffentlichen, hält sich in sehr engen Grenzen. So wirkliche „Pros“ gibt es in Diablo 3 also nicht – leider, muss man sagen.

Was es gibt, sind einige leidenschaftliche Amateure, die länger in einer Ladder-Saison durchhalten, als die große Masse, doch wer nicht wirklich das Ziel hat, jede Saison alle 6 Klassen perfekt auszustatten, G-Rifts jenseits der Stufe 70 zu erreichen und alle Erfolge zu machen, ohne auch nur annähernd etwas „cooles“ dafür zu bekommen, der hält durchgehendes Diablo 3 Zocken nicht durch.

Ist ein auf Casuals ausgerichtetes Spiel per se schlecht? Nein! Vor allem nicht für den Entwickler und Publisher, weil man ein solches Spiel viel, viel, viel öfter verkaufen kann und darüber hinaus an weniger anspruchsvolle Kundschaft. Theoretisch könnte man diese Einnahmen dazu verwenden, das gleiche Spiel auch für Dauerzocker attraktiver zu machen. Das tut man in der Regel aber nicht, weil der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen gigantisch hoch wäre und die Aktionäre gerne ihren Anteil hätten. Vielzocker ein und desselben Spiels stellen eben nur noch ein sehr kleinen Anteil der Zielgruppe da. Nicht, weil es weniger geworden wären, aber die Konkurrenz ist groß und lange Einarbeitungszeiten oder komplexe Systeme sind nicht für Gelegenheitsspieler geeignet. Hearts of Iron ist z.B. nichts, was man alle 3 Tage mal eben für eine Stunde nach Feierabend daddeln kann, aber:

DIABLO 3 IST SO SIMPEL, WIE EIN SPIEL NUR SEIN KANN, UM THEORETISCH ALLEN SPIELERSCHICHTEN GERECHT ZU WERDEN!

Und genau das frustriert mich an Diablo 3 so sehr: Ich wurde wider Willen zu einem Casual-Spieler gemacht, der sich seit Jahren einredet: „Die müssen doch an grundlegenden Änderungen oder Systemen arbeiten, die bei mir für Dauermotivation, das in D1 und D2 so liebgewonnene Spielgefühl zu sorgen“.

Ich würde gerne lange nach Items suchen, bis sie endlich droppen, ich würde gerne lange nach Skill-Runen suchen, um meinen Charakter langsam zu verbessern, ich würde gerne nutzlose Deko-Objekte im Spiel als Drop finden und sie sammeln, ich würde gerne ausgiebig Handel treiben und so auch eher nutzlose Items über die Zeit hinweg in brauchbare oder sehr wertvolle und begehrte zu verwandeln, ich würde gerne morgens wieder aufwachen und richtig Diablo suchten wollen wie zu D2-Zeiten, ich würde gerne super seltene Traum-Gegenstände im Spiel wissen wollen, denen ich nachjagen, die ich jedoch wahrscheinlich nie finden werde… nur eins will ich nicht: nur alle 4 Monate eine Woche Spaß an Diablo 3 haben!

Euer Casual wider Willen

Freynan

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7 Kommentare auf "Kommentar: Mit Diablo 3 zum Casual-Gamer wider Willen"

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TraurigAberWahr
Gast
TraurigAberWahr

R.I.P. D3

Aber.so.richtig
Gast
Aber.so.richtig

Sehr schöner Artikel!!
Obwohl ich eigentlich der klassische Casualer bin, da ich keine 12h/Tag investieren kann/möchte, fehlt es doch schon wirklich schnell an Anreizen bei D3. Man hat einfach zu schnell die Sets zusammen, zu schnell das Gedachte erreicht.
Steige deswegen gerade in Path of Exil ein. Jedoch scheint mir hier (nach ca. 10h Spielzeit) bekomme ich genau das Gegenteil… 😉

likeAstar
Gast
likeAstar
Und warum ist das so, ist ja nicht nur Blizzard dran schuld. Es sind doch Teilweise die Gamer / Casual Gamer. Ich war in der D3 Zeit auf mehreren Ts Servern. Ob es Vanilla war oder RoS, spätestens nach mehreren Stunden/Tagen hat mindestens 1 – 2 Spieler geflamed, das nie etwas droppt. Und ich kann mich auch an Gespräche erinnern oder Community Beiträge das Blizzard die Dropchance erhöhen soll, was sie dann letztendlich mit Wochenbuffs gemacht haben ala Events . Und dann später haben sie die Dropchance so hoch gelassen. Also frage ich mich gerade, wer ist denn daran Schuld… Read more »
hanseate
Gast
hanseate
Als einer von diesen Leuten, die in D3 immer rumgejammert haben, dass sie nichts finden, muss ich dir widersprechen. Denn in D2, was ich etwa ein Jahrzent lang regelmäßig gespielt bis gesuchtet habe, kam dieses Gefühl nie in mir auf, obwohl die guten Drops da deutlich seltener waren. Es scheint also irgendwas an D3 anders zu sein als an D2, was dieses frustrierende Gefühl auslöst bzw. ausgelöst hat. Imo ist das in erster Linie die Alternativlosigkeit von Uniques/Sets und die Gestaltung des Endgames. In D2 konnte man es in jedem gammligen Selffound-Equip irgendwie durch Hell zu Diablo/Baal schaffen, mit besserem… Read more »
LynXx
Gast
LynXx

Casual hin her bla blub die sollen mal die Areadmg lags fixen……….

Freezingsun
Gast
Freezingsun
Ja ich stimme dir bei fast allem zu. Bei manchen Punkten würde ich sogar weitergehen. Blizz will keine Langzeitmotivation für D3 Fans bieten. Jetzt kommt der Grund: Wenn jemand zufrieden mehrere Hundert Stunden D3 in regelmäßigen Abständen zocken kann, dann kauft er keine anderen Blizz Games, Skins, Ingamezeug usw. Und es geht darum möglichst viel zu verkaufen. Ich kenne Leute, die geben für Hearthstone und Heroes of the Storm pro Monat 200-500 Euro aus und merken es nicht mal, weil sie entweder dumm sind und noch nie was von einer Art „Haushaltsbuch“ gehört haben oder weil sie einfach zuviel Geld… Read more »
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