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Diablo-3.net-Kolumne: Die Ziellosigkeit der Diablo 3 Entwicklung

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Beim BlizzCon Panel am Wochenende gab es seit langer Zeit wieder einige Ankündigungen zu Diablo 3 Reaper of Souls (wir berichteten). Mit dabei die Ankündigung einer neuen Charakterklasse, dem Totenbeschwörer, der nach seinem Erfolg in Diablo 2 seinen Weg zurück nach Sanktuario finden wird. Angekündigt wurde der Totenbeschwörer für das 3. Quartal 2017. Ebenfalls angekündigt wurde die Nachbildung von Diablo 1 in einem Jubiläumspatch, wobei diese Inhalte lediglich im Januar eines jeden Jahres verfügbar sein werden. Darüber hinaus gab es noch einige Verbesserungen des Grundspiels in Form von einem eigenen Inventar für Handwerksmaterialien, der Einführung von Saisons auf der Konsolenversion von Diablo 3 und neue Diablo 3 Gebiete.

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Ich empfinde diese Ankündigungen als unzureichend. Die Entwicklung von Diablo 3 ist ziellos und dient lediglich dem Zweck, noch möglichst viel Geld durch möglichst wenig Aufwand aus dem ziemlich toten Franchise heraus zu pressen. Als absoluter Totenbeschwörerliebhaber und jemand, der viele hundert Stunden, vielleicht sogar tausende Stunden inklusive meiner Redakteurstätigkeit bei Diablo-3.net in das Spiel Diablo 1, 2 und Diablo 3 investiert hat, macht mich diese Entwicklung traurig.

Die Ziellosigkeit

Für mich hat Diablo 3 ein Problem: es gibt keine Ziele, auf die ich in Diablo 3 hinarbeiten kann und möchte. Es gibt wunderschöne Möglichkeiten, um auf Ziele hinzuarbeiten. Das Gameplay fühlt sich fantastisch an, die Klassen sind unterschiedlich, jede hat ihren eigenen Flair. Die Gegenstände sind schön, die einzigartigen Affixe auf den legendären Gegenständen lassen individuelle Skillungen zu. Auch Kanais Würfel und Nephalemportale sorgen für ein sehr abwechslungsreiches Spiel.

Das alles bringt jedoch nichts, wenn es für mich kein Ziel im Spiel gibt. Was motiviert mich Diablo 3 zu spielen? Aktuell nichts, und daran werden die angekündigten Änderungen leider nichts ändern. Dies gilt im übrigen auch für andere Änderungen in der Vergangenheit. Es gibt keine seltenen wertvollen Gegenstände, die man unbedingt benötigt. Es gibt keine schwierigen Inhalte im Spiel, die man unbedingt erreichen möchte. Es gibt keine Bosse, die man nur durch viel Farm- und Zeiteinsatz besiegen kann. Warum sollte ich Diablo 3 spielen? Ich weiß es nicht.

Das war einmal anders. Früher hat man gespielt, oder musste sich sogar mit anderen Spielern zusammen tun, um im Inferno Modus von Diablo 3 Classic zu bestehen. Auch das Trading stand damals im Vordergrund, denn ohne diesen Aspekt wäre es noch schwerer gewesen als es ohnehin war (unabhängig davon, dass ich das Auktionshaus ablehne…). Zwischendurch gab es einmal die Überbosse, die es ebenfalls zu besiegen galt. Auf dem Hardcore Schwierigkeitsgrad eine wahre Herausforderung anfangs, hat man auch die irgendwann bezwungen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch viele Aktualisierungen von Diablo 3, aber nahezu alle beschäftigten sich lediglich mit der Frage, wie ich irgendwelche Ziele erreichen kann (Überarbeitung von Items, Hinzufügen von Truhenfächern, etc.). Lediglich die Implementierung von Set-Portalen und von Errungenschaften (von denen Konsolenspieler übrigens ausgeschlossen waren) konnten motivieren. Denn dabei handelte es sich um Ziele, die Vorbereitung und Einsatz benötigten und die man klar vor Augen hatte. Auch das Erreichen von Paragon Level 100 hat einige Spieler zur Investition von viel Zeit und Nerven gezwungen. Heute ist es alles Geschichte. Paragonlevel und große Nephalemportale haben keine Grenze, sodass dem Spieler auch kein Ziel bleibt, das man verfolgen möchte. Die Ziellosigkeit wird auch bei Streamern deutlich. Während früher der Worlds First Inferno Hardcore Diablo kill von Kripparian, die besten Farmrouten von Alkaizer oder Aktionshaus-Amokläufe von Moldran die Leute aus den Stühlen rissen, gibt es heut so gut wie keine Diablo-Streamer mehr, weil auch keiner mehr wirklich weiß was man streamen sollte.

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Mit dem Totenbeschwörer kommt jetzt (bzw. in einem Jahr…) eine neue Klasse, bei der man sich dennoch weiterhin fragt, warum spiele ich die eigentlich. Wer sie anspielt, einfach nur um des Spielens willen, der wird maximal nach 10-20 Spielstunden aufhören, denn spätestens dann fragt man sich, für was das Ganze eigentlich? Auch neue Gebiete schaut man sich kurz an und hört dann wieder auf zu spielen. Dasselbe gilt für die kleinen Veränderungen in Form von Handwerksinventar oder speicherbaren Skillungen, denn dabei handelt es sich lediglich um Verbesserungen im Gameplay, neue Ziele und neue Motivation werden damit aber nicht im Spiel verstreut.

Dabei wäre es gar nicht so schwer, Ziele bei Diablo 3 einzupflegen. Man benötigt nur Inhalte wie Endbosse oder sehr seltene Gegenstände, für die es sich zu spielen lohnt, die aber nicht jeder Idiot nach 10 Stunden Spieleinsatz erreicht. Allerdings müssen solche Gegenstände auch wertvoll sein, und das wären sie nur, wenn man sie benötigt, um damit Inhalte zu erreichen, die man ohne diese Gegenstände nicht erreichen kann. Problem an der Sache ist: Das Erstellen solcher Inhalte ist mit intensiver Arbeit und dem Einsatz von Ressourcen wie Geld, Entwicklerarbeit und Zeit verbunden. All das ist Blizzard seit Reaper of Souls nicht mehr bereit zu investieren.

Hauptziel: Geld

Natürlich sollte jeder Publisher und Entwickler im Hinterkopf behalten, dass sich Entwicklungen lohnen müssen. Ein Problem habe ich lediglich dann, wenn man sich oder ein Franchise verkauft und dafür jegliche Einbußen bei der Glaubwürdigkeit dieses Franchise in Kauf nimmt, um einen höheren Erlös zu erzielen. Genau das passiert hier leider gerade und im Laufe der letzten Monate bei Blizzard und Diablo.

Es ist anzunehmen, dass viele durch Patch implementierte Änderungen der letzten und nächsten Monate Bestandteil eines 2. Addons waren. Man muss sich dafür nur mal vor Augen führen, was alles implementiert oder kürzlich angekündigt wurde:

  • neue Charakterklasse „Totenbeschwörer“
  • Neues Diablo 1-Event
  • Neue Gebiete (ursprünglich wohl Akt 6, z.B. Ruinen von Sescheron)
  • Kanais Würfel
  • Große Nephalemportale
  • Weitere kleine Änderungen

Es ist zu erkennen, dass sich dies vom Umfang her ebenso liest wie das 1. Addon (Neue Charakterklasse „Kreuzritter“, Akt 5, Abenteuermodus, Nephalemportale, etc.).

Möglicherweise wurde die Entscheidung, das Addon aufzugeben und die Inhalte in Patches verpackt peu à peu zu veröffentlichen, getroffen, als das Diablo Team auseinander brach. Wichtige Akteure wie Josh Mosqueira, John Yang, Don Vu und Leonard Boyarsky verließen das Team im Laufe des vergangenen Jahres. Diablo 3 Lead Writer Brian Kindregan verließ ebenfalls im Juni diesen Jahres das Schiff, wodurch die Chancen, eine angemessene Story für die Kampagne eines Akt 6 zu veröffentlichen, ebenfalls sanken.

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Problematisch ist im Zusammenhang insbesondere, dass nun mit dem Totenbeschwörer dennoch versucht werden wird, Profit aus der Sache zu ziehen. Ebenfalls halte ich es zumindest für problematisch, dass man mit den Fans nicht angemessen kommuniziert. Der Totenbeschwörer wird jetzt als Neuigkeit hingestellt, obgleich die Fans ursprünglich wohl deutlich mehr erwarten konnten. Dafür hat Blizzard schließlich auch mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit im Vorlauf der BlizzCon eigenhändig gesorgt. Es ist aufgrund des kleinen Teams auch nicht zu erwarten, dass der Totenbeschwörer bahnbrechend das gesamte Spielgefühl von Diablo 3 verändern wird, dennoch scheinen sich genug Spieler darauf zu freuen, sodass der Schachzug Blizzard wirtschaftlich wohl nicht zu beanstanden ist.

Für mich als absoluter Totenbeschwörer Fan (meinen langjährigen Nickname „Ysuran“ verdanke ich auch einem Totenbeschwörer aus Baldurs Gate…) ist die Veröffentlichung des Totenbeschwörers als Patch in ein kaputtes Spiel leider der falsche Weg.

Fazit

Dass die Entwickler nicht daran denken die Hauptprobleme des Spiels in Angriff zu nehmen und nur versuchen, durch möglichst wenig Aufwand noch irgendwo Geld aus dem Franchise heraus zu pressen, ist sehr sehr schade. Wahrscheinlich werde ich, gerade jetzt wo die Saisons auf der Konsole implementiert werden, wieder meinen Weg nach Sanktuario finden. Schade daran ist, dass es jedoch lediglich maximal 20-30 Spielstunden, wenn überhaupt, andauern wird, bis ich den Controller wieder weg lege, denn spätestens dann stell ich mir wieder einmal die Frage, warum spiele ich das eigentlich?! Natürlich könnte man annehmen, dass für den von mir gezahlten Preis 20-30 Spielstunden für ein DLC absolut ausreichend sind. Aber ich messe Blizzard schlichtweg daran, was möglich wäre. Schließlich war Blizzard der Vorreiter dessen, die kühnsten Träume der Fans wahr werden zu lassen.

Ich wünschte, Diablo 3 wäre das, was es einmal war oder zumindest das was ich mir immer vorstellte. Ein Spiel, was man über Monate oder Jahre hinweg immer wieder gern anrührt. Ein Spiel, bei dem ich mich nicht künstlich motivieren muss, um auf das Icon mit dem gehörnten Höllenfürsten tagtäglich zu klicken. Die Gameplayvoraussetzungen, um den Controller oder Tastatur und Maus täglich in die Hand zu nehmen, sind da. Aber wenn man seitens Blizzard nicht bereit ist, mehr zu investieren als die Entwicklung von Quality-of-Life-Improvements und kostenpflichtigen DLCs, die erst in einem Jahr erscheinen werden, bringen selbst die besten Voraussetzungen nichts.

(Subjektive Meinung von Ysuran)

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2 Kommentare auf "Diablo-3.net-Kolumne: Die Ziellosigkeit der Diablo 3 Entwicklung"

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fro3054
Gast
fro3054
2 Monate 12 Tage vor

„durch möglichst wenig Aufwand noch irgendwo Geld aus dem Franchise heraus zu pressen“
kommt mir leider auch so vor. wie eine art letzter recycling schritt. eine mülltüte, damit man den mist besser wegpacken kann.

Grinsekatze
Gast
Grinsekatze
2 Monate 11 Tage vor
Ich muss dir leider zustimmen. Das was an „Neueem“ kommt, kommt zu spät und auch nur halbherzig. Die größten Fehler inGame m. E.: – unendliche Paragon – unendliche Grifts – Übermacht der Sets + unterstützende Items Wo wäre das Problem, Paragon auf 800 oder meinetwegn 1000 zu kappen. Die GR auf z.B. 75 zu limitieren oder ganz abzuschaffen und dafür neue herausfordernde Qualstufen einzuführen. Die ganzen +200% (und mehr) Boni auf den Legs (und den Sets) abzuschaffen oder zumindest um ne 0 zu kürzen. Dann hätte ich zu dem von mir genutzten Set wenigstens die Chance die Legs zu benutzen,… Read more »
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