Der Release-Termin zu Diablo 3 bleibt zwar weiter im Dunkeln, aber vor einigen Wochen erschien zumindest ein auf den ersten Blick sehr ansprechendes Buch für alle Fans der Hack’n'Slay-Serie, die sich auch für die Hintergrundgeschichte und das Universum des Spiels interessieren. Doch bleibt die Frage, ob das Book of Cain wirklich den Ansprüchen der Fans standhalten kann oder nur eine weitere Methode ist, den wartenden Horden noch einmal $35 aus der Tasche zu ziehen. Sicherlich spielt auch Letzteres eine Rolle, aber aus meiner Sicht ist Blizzard wirklich ein schönes Buch gelungen, das dem geneigten Leser einige spannende Einblicke in die Welt von Diablo liefert.

BOC_01_Einband_mitBinde Hält man das Book of Cain zum ersten Mal in der Hand, fällt zunächst der sehr hochwertig wirkende Einband auf. Entfernt man die rote Binde, die auch eigentlich nicht mehr ist, als der Platz für ISBN und den Preis sowie einen kurzen Teaser-Text, könnte das Buch auch direkt der Spielwelt entsprungen sein. Das Design ist stimmig und die Prägung aufwändig. Mit stolzen 861 Gramm ist es auch nicht gerade ein Leichtgewicht, was bei 148 Seiten Umfang auch nicht sonderlich verwunderlich ist. Die einzelnen Blätter sind nämlich nicht einfaches, dünnes Papier, sondern ziemlich robust. Warum die Seiten an der Außenkante so aussehen, als wären die Blätter schlecht perforiert gewesen und dann auseinander gerissen worden, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Vermutlich soll es wie altes Pergament aussehen, aber warum dann nur die Längsseite und warum so schäbig? Jedenfalls ist das der einzige Wermutstropfen, der das hervorragende Gesamtbild aber nur leicht zu trüben vermag.

BOC_03_Einleitung Schlägt man das Buch nun endlich auf, begrüßen den Diablo-Fan erster Stunde die bekannten Worte „Take heed and bear witness to the truths that lie within. For they are the last legacy of the Horadrim“. Spieler des ersten Teils werden beim Lesen dieser Worte sicherlich die Stimme von Paul Eiding im Ohr gehabt haben, einer der markantesten Stimmen aus den ersten beiden Diablo-Spielen (z.B. Lazarus, Pepin, Mephisto und natürlich die Tomes). Danach folgt eine kleine Einleitung von Deckard Cain, die an seine Nichte Leah gerichtet ist. Dieses Buch, das all sein Wissen über die Welt Sanctuary (Sanktuario) und ihre bewegte Geschichte umfasst, soll sein Vermächtnis an sie sein.

BOC_04_Duriel Im Folgenden besteht das Buch aus zwei Teilen: Der erste, längere Teil ist dabei eine detaillierte Nacherzählung der Geschichte des Diablo-Universums. Angefangen bei der Entstehungsgeschichte, über den Krieg zwischen Himmel und Hölle, bis hin zu den Ereignissen aus Diablo 2. Es ist also alles abgedeckt, was die Spielwelt bislang zu bieten hatte. Das Book of Cain fasst dabei viele der Geschichten aus den Romanen zur Serie – insbesondere der Sin War-Trilogie (Sündenkrieg) – zusammen und schmückt das Ganze noch hier und da aus. Vieles davon wird den Lesern der Bücher schon in der einen oder anderen Form geläufig sein. Eine Geschichte fällt allerdings besonders ins Auge, da von ihr bislang eigentlich noch nichts bekannt war. Dieser Teil handelt von dem Horadrim Zoltun Kulle. Insgesamt macht diese Erzählung den Eindruck, als sei sie für Diablo 3 in die Geschichte integriert worden, was sie sicherlich zu einem der interessantesten Teile des Buches macht. Ohne jetzt zu viel zu verraten: Zoltun Kulle ist das Bindeglied zwischen dem Black Soulstone (Schwarzem Seelenstein) und der Wüste von Kehjistan, die nördlich von Caldeum liegt und Schauplatz des zweiten Aktes sein wird.

BOC_06_Kehjistan Im zweiten Teil des Buches werden die verschiedenen Regionen von Sanctuary (Sanktuario), der Welt der Menschen und die Spielwelt von Diablo 3 sowie den ersten zwei Teilen der Trilogie, kurz abgehandelt. Die Betonung liegt dabei eher auf kurz, da die Texte hier selten länger sind als eine halbe Seite. Insgesamt macht dieser „geografische“ Teil des Book of Cain nur knapp über 20 Seiten aus. Den Abschluss bildet dann wieder ein kurzer Brief von Deckard Cain an Leah. Als kleines Gimmick befindet sich auf der Innenseite des Einbandes ein mit einem kleinen Klebesiegel verschlossener Umschlag, der eine schön gestaltete Karte von Sanctuary enthält.

BOC_08_Karte Womit wir wieder bei der äußeren Form des Book of Cain wären. Denn wie die Karte, so ist auch der Rest wirklich exzellent aufgemacht. Die Zeichnungen sind sehr stimmungsvoll und kommen auf dem hochwertigen Papier sehr gut zur Geltung. Die meisten Bilder stammen dabei aus der Feder von Mark Gibbons, welcher auch als Red Knuckle der Sons of Storm bekannt ist, und Jean-Baptiste Monge, der in Sachen Diablo bislang noch nicht in Erscheinung getreten ist. Unter den weiteren Künstlern finden sich auch so große Namen wie Alan Lee und John Howe, die nicht zuletzt durch ihre Mitarbeit an den Verfilmungen der „Herr der Ringe“-Trilogie vielen Leuten ein Begriff sein könnten.

Abschließend sei nur noch gesagt, dass das Book of Cain sicherlich ein Leckerbissen für alle ist, die sich für die Hintergrundgeschichte der Diablo-Serie interessieren. Vorraussetzung dafür sind allerdings recht gute Englischkenntnisse, da man sonst wohl nicht so viel Freude mit dem Buch hat.
Der Preis ist, aus meiner Sicht, angemessen und es hat mir viel Spaß gemacht, die Geschichte rund um die Spiele in so gebündelter Form einmal zu lesen. Eine klare Kaufempfehlung von mir… sofern man ein Spiel nicht einfach nur als Wettbewerb oder Kräftemessen sieht, sondern gerne in die Geschichte eintaucht, die es erzählt.

Das Book of Cain ist in englischer Sprache beim Verlag Welcome Books erschienen. Die ISBN lautet 1608870634 (ISBN-10), bzw. 978-1608870639 (ISBN-13). Der Preis beträgt $35. Ich habe das Buch über eine Buchhandlung (ja, sowas gibt es noch) bestellt und rund 27 Euro bezahlt. Bei gewissen Internet-Shops gibt es das Buch auch für ein paar Euro weniger.


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