Barbaren Ronny

Prolog
Dies ist die Geschichte von E. S. aus M. . Besser gesagt, Geschichten die E. S. aus M. glaubt zu erleben.
Er wohnt zwar eigentlich in Magdeburg, lebt aber, obwohl er keinen Migrationshintergrund hat, in einer Parallelwelt. Denn wie wir dank vieler Experten und der Medien wissen, führt das exzessive Spielen am PC, der Playstation oder an sonstigen Geräten der Freizeitunterhaltung, nicht nur zwangsläufig dazu, dass man irgendwann versucht seiner Lehrerin, dem Chef oder Nachbarn, mit Feuerbällen einzuheizen, in Erwartung guter Drops und jeder Menge XP, nein, ein Leben vor und für die “Daddelkiste” führt auch noch zu einem weit intensiveren Realitätsverlust.
Er vermischt in seiner Fantasie Wahrheit mit Fiktion, die virtuelle Welt mit der Realen und Kola mit Korn. Abgesehen davon, kann man sich auch nie sicher sein, mit welchem seiner Zahlreichen Alter Egos man es eigentlich gerade zu tun hat. Mal ist er ein genialer Visionär und Weltenverbesserer, mal ein Typ an der Theke der nicht einmal seinen Namen richtig schreiben kann.
E. S. aus M. ist in Wirklichkeit 23 Jahre alt, hat rotes, schuppiges Haar, trägt eine dicke Hornbrille auf der Nase und mit ihm wollte früher niemand Spielen. Dies lag nicht nur an seinen zahlreichen Sommersprossen und der Vorliebe für Knoblauch, sondern auch an einer gewissen Abneigung gegenüber dem feuchten Element.
Wie praktisch, dass es Computer gibt.
Deshalb ist sein Zimmer auch nicht über und über mit Schumacher, Schwarzenegger oder Backstreet Boys - Postern behangen, sondern Abbildungen Konrad Zuses zieren die Wände seines 8 Quadratmeter Kinderzimmers.
E.S. ist bekennender „Ostalgiker“ denn :„früher war alles besser!“ Stimmt zwar nicht aber diese Meinung rührt wohl daher, dass E. damals einfach noch zu klein war um sich daran zu erinnern, das ihn auch früher schon keiner mochte und Spreewaldgurken immer noch genauso gut schmecken.
Seine Mutter erzählte ihm immer, sein Vater könne sich nicht um ihn kümmern weil er der beschäftigtste Mann im Lande sei. Woraufhin E. vermutete sein Vater sei Erich Honecker gewesen. Die Mutter ließ ihn in dem Glauben und so fühlte sich E.S. zu Höherem berufen. Er wollte mindestens so hoch hinaus wie sein „Vater“. Dieses Ziel hat er nun mit 23 Jahren erreicht. Er wohnt im 18. Stock eines Plattenbaus am Stadtrand.
Weil E. S. aus M, trotz Internetanschluss, ab und zu doch sehr alleine ist und dringend Freunde sucht aber kein Geld hat, sich welche zu kaufen, lädt er Euch in sein Universum voller Absurditäten und Verrücktheiten ein, wo er über manche Dinge, seine ganz eigene Meinung hat; und man darf gespannt sein welchem seiner Charaktere man über die Schulter schauen darf.
Über das Reisen: Teil 1
Ich weiß nicht wie lange ich schon durch die sengende Hitze dieser gottverdammten Wüste wanderte, die Kehle ausgetrocknet und stets den Tot vor Augen, mich ständig der Monster erwehrend, welche dort noch zahlreicher waren als Deutsche Touristen am Ballermann.
Mit dem Unterschied, dass die kleinen und großen Quälgeister, ihres Zeichens Herrscher dieses überdimensionalen Sandkastens, mit weißen Tennissocken und Sandalen rein gar nichts anfangen konnten, wenn nicht grade ein Fuß drin eingepackt war. Mein Fuß!
Eines haben diese Gattungen allerdings gemeinsam. Sie nähern sich einem von allen Seiten, mit teils schon virtuos anmutender Gangart, in etwa eine Mischung zwischen Charlie Chaplin und einem angefahrenen Reh, umzingeln einen, wobei sie unartikulierte Laute von sich geben und…. halt! Da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Denn während die Brut der Wüste teilweise recht nützliche Gegenstände nebst Kleingeld verliert, verliert der gemeine Malle-Touri neben der Selbstkontrolle, den Hemmungen und dem Gleichgewicht, höchstens Unmengen grauer Zellen; bekommt dafür im Gegenzug aber allerlei Geschlechtskrankheiten.
Womit wir auch schon beim Thema und dem Grund für meinen kleinen Urlaubstrip in die wärmeren Gefilde wären.
Ich war auf der Suche nach ein wenig Abwechselung und Zerstreuung.
Denn während ich mich, zum mindestens 998zigsten Mal, in Windeseile durch den, von aufreizenden Jägerinnen und verruchten Gräfinnen nahezu überbevölkerten 1.Akt gepimpert hatte, musste ich mir wohl zum Schluss bei einem Tête-à-tête, mit einer gewissen Andariel, einen giftgrünen Ausschlag zugezogen haben.
Auf einen Vergleich mit einer eingelegten Spreewaldgurke verzichte ich an dieser Stelle. Und leider kann man in diesem Zusammenhang auch nicht wirklich von einem “Großen Übel” sprechen, wenn ihr versteht was ich meine. Doch dazu später mehr.
Ab und an spendete ein mehr oder minder schönes Grab für ein paar Stunden Schatten und es herrschte eine angenehme Kühle. Allerdings ließen diese Gemäuer reichlich an Komfort zu wünschen übrig und auch sonst erinnerte mich das ganze eher an einen sich Jahrzehnte lang selbstüberlassenen Bettenbunker nebst Insassen, die mich allesamt an überkandidelte Models erinnerten. Nur halt ohne Haut über den Knochen, dafür um so zickiger. Das Unterhaltungsangebot war erwartungsgemäß auch eher mau, doch gelang es mir gut mich selbst zu bespaßen, indem ich das reichlich vorhandene Ungeziefer einfach im Takt von “10 Nackte Friseusen“ und“ La Cucaracha“ zum Knacken brachte.
Die anderen Gäste, schienen von meinem musikalischen Talent allerdings weniger begeistert und fielen in Scharen über mich her. Vielleicht hätte ich vorher ein paar Punkte in diesen Skill investieren sollen, anstatt alles in Trinkfestigkeit und Sexappeal zu verschwenden.
Aber was will man auch für ein Klientel in einer Unterkunft erwarten, die statt Sterne Dreiecke, Vierecke, Monde oder mir völlig unverständliche Symbole verliehen bekommt?
Reisekataloge würden dieses Objekt wohl als Preisschnäppchen anbieten:
“URLAUBSHIT FÜR HELDEN - DENN MANCHMAL IST WENIGER MEHR!”
Sie wohnen in der freundlichen aber zweckmäßig eingerichteten 1 Viereck Gruft “Tal Rasha”, mit kombiniertem Wohn/Sterbezimmer. Der Donnerbalken befindet sich auf dem Flur. Das Essen wird gemeinsam im großen Speisesaal eingenommen. Egal ob HP, VP, ÜF oder All-inclusive es gibt eh immer das gleiche zu essen, nämlich SIE. Die Gruft ist verkehrsnah gelegen, und mit dem Wüstenschiff erreichen sie den kleinen aber quirligen Party-Ort “Lut-Gholein” mit seinem umfangreichen Unterhaltungsangebot, wie z.B. „Hau den Radament“ oder „Horadrimstablimbo“, schon nach 8 bis 10 Tagen. Beachparty jeden Tag ab 8 Uhr, vorausgesetzt sie überleben den ca. 5 minütigen Weg zum großzügigen Sandstrand.
Da es in der Welt von Diablo von Übeln nur so wimmelt, erschien mir im Vergleich zur erbarmungslos vom Himmel scheinenden Sonne dieses muffige Gemäuer das kleinere zu sein. So entschied ich mich, bis zum Morgengrauen Gast dieser Herberge zu bleiben.
Ab und zu spendierte mir einer der Kellner, mehr oder weniger freiwillig, ein rötliches Getränk in einer 5 Liter Fasche. Sah aus wie Sangria, roch wie Sangria und hat auch gescheppert wie Sangria. So legte ich mich recht bald zu Boden, was mangels Betten, die einzige Möglichkeit darstellte, sann noch ein wenig über mein Leben nach dem Heldendasein nach und entschlummerte schnell. Doch während ich träumte, kehrten die Erinnerungen zurück. Erinnerungen an die Reise, an die Geschlechtskrankheiten und die wüsten Zechgelage. Träume, Erinnerungen, ich konnte sie nicht mehr voneinander unterscheiden.
Da wurde mir schlagartig klar: Ich werde nach meiner Pensionierung Reiseveranstalter. Billigpartyreisen für junge Individualtouristen ohne Ansprüche. Man wird sehen…
Übers Reisen Teil 2
Ich vergaß bis jetzt mich vorzustellen. Ich heiße Ronny, einfach nur Ronny. Meine Eltern waren einfach zu arm für einen Nachnahmen. Ich bin 23 Jahre alt und komme aus Magdeburg. Meine Hobbys waren früher: Mit Sandy, Mandy, Peggy, Cindy, Jason, Marc-Kevin, Dustin und Jaqueline Gamepads quälen, was bis dato die einzige Arbeit war der ich je nachging, Faulenzen und ab und zu die Uniform meines Großvaters überziehen und mit meinen Freunden, die komischer weise fast alle an Haarausfall litten, für oder gegen irgendetwas demonstrieren.
Doch eines Tages sollte sich mein Leben grundlegend ändern. Ich ging versehentlich zu einer Kundgebung und lauschte dort einem Mann der etwas von Blumen und östlichen Landschaften sprach. Jedenfalls hatte ich das so verstanden. Ich beschloss kurzerhand Mutti mal wieder eine Freude zu machen, NEIN, Ich wollte mich nicht umbringen, sondern ihr Blumen pflücken. So schwang ich mich auf mein 2- taktiges Schlachtross und zog gen Osten, stets nach Osten. Über Stock und über Stein und leider auch durch die “Verbotene Zone”. Von dort aus schien mir eine grüne Wolke einem S.T.A.L.K.E.R. gleich gradewegs hinter dem Horizont zu folgen und mein ganzer Körper wuchs plötzlich in geradezu erschreckendem Maße. Mein ganzer Körper? Nein! eine kleine von unbeugsamen, Sack ähhh nennen wir sie mal Filzläusen, bewohnte Stelle leistete erbitterten Wiederstand…. Größe ist halt nicht alles…. aber lassen wir das. Wie auch immer, seit diesem Tage bin ich von Magdeburg bis Travincal bekannt als :
BARBAREN - RONNY
Unsanft wurde ich am nächsten Morgen aus meinen Träumen gerissen.
Ein Zombie kniete über mir und beschwerte sich lauthals darüber, dass ich ungenießbar sei. Er hätte an meinem Zeh geknabbert und wäre auf Grund des Geruchs meiner Socken fast in Ohnmacht gefallen.
Eigentlich konnte er sich noch glücklich schätzen. Hätte er an einer anderen Stelle genagt würden ihn nun gewisse Läuse plagen.
Nach dem Auschecken irrte ich noch für eine geraume Zeit durch diese Landschaft, welche mich doch sehr an Zuhause erinnerte, denn was gab es dort?…. NICHTS! Doch irgendwann erreichte ich den vielgepriesenen Party - Ort Lut Golein, mit seinen Strandschönheiten, den gutgelaunten Urlaubern und dem weitläufigen Megasuperbadefunpark, welcher sich bei näherem Betrachten dann doch eher als Kanalisation darstellte, *grmpf*, was allerdings den Vorteil hatte, dass man nicht erst raten musste ob man grad durch Vorschulkinderpisse schwamm, man konnte sie geradezu riechen.
Also viel dieser Badespaß schon einmal weg. Allerdings gab es ja noch die Strandschönheiten; und wo halten diese sich für gewöhnlich auf, wenn sie nicht gerade in meinem Bett liegen? Genau, am Strand.
Doch dort angekommen erwartete mich die nächste Enttäuschung. Außer mir waren nur zwei weitere Personen am Strand. Einer davon war David Hasselhoff ( Ja, ihr habt richtig gehört, DAVID HASSELHOFF. Jener Mann der von sich behauptete er hätte zum Fall der Mauer beigetragen. Meiner geliebten Mauer.), der vergeblich versuchte eine Palme zu animieren, bevor ihn sein angeheuerter Söldner nicht mehr halten konnte und er volltrunken und vollgenässt, ins Mehr plumpste und sich als erfahrener Bademeister dann selbst, aus dem knietiefen Wasser, rettete.
Worauf hin ich mir ein lautes Lachen nicht verkneifen konnte. Doch dies schien dem Söldner gar nicht zu gefallen, der mit grimmiger Miene zu mir herübereilte und in tiefem Ton sagte :” Don’t Hassel the Hoff”.
Ich fragte ihn was David Hasselhoff denn in einem “Hack & Slay” zu suchen habe und er erklärte mir ausführlich, dass es sich nicht um David Hasselhoff als David Hasselhoff handele, sondern vielmehr um die von Blizzard neu implementierte Charakterklasse “Night Rider”, die er nur spiele, weil er total abgebrannt sei.
Meines Erachtens, hätte Blizzard ihn genauso gut in ein Pandakostüm stecken und die neue Klasse Brewmaster nennen können.
Bevor ich noch weiter mit dem Söldner plaudern konnte, unterbrach ein Lautes :” K.I.T.T. K.I.I.I.I.I.I.I.I.I.T.T.”, die Unterhaltung. Es war jene neue Charakterklasse die wie am Spieß schrie, da sie ihren Skill “Wiederbelebung” unglücklicherweise auf einen Krebs anwendete, welcher offensichtlich nicht wiederbelebt werden wollte.
Recht amüsiert wand ich mich ab und lenkte meine Schritte wieder in Richtung der Partymetropole Lut Golein. Laut Reiseführer sollten dort die Perlen des Ostens beheimatet sein. Jene Stelle war leider auf Grund weißer Flecken etwas unleserlich.










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